Wenn
sich der Vorhang hebt, erwacht die Bühne Abend für Abend durch die
professionelle schöpferische Kraft der Schauspieler, Bühnenbildner,
Regisseure und Drehbuchautoren zum Leben.
Hinter den Kulissen befindet sich eine
weitere, dem Zuschauer verborgene Welt. Das Theater beherbergt jedoch
auch noch eine dritte Welt, die man weder hört noch sieht. Ihre Aufgabe
ist es, in den Fundamenten tief unter den Bühnen- und Zuschauerräumen
für einen sicheren Stand zu sorgen.
Die alten Theaterhäuser sind die
Fixpunkte der Standzentren und werden als wertvolle Gebäude geschützt.
Sowohl im holländischen Amsterdam als auch im finnischen Turku werden
die alten Holzpfähle durch speziell für diese Zwecke geeignete
Ruukki-Stahlpfähle ersetzt.

Das Theater Carré in
Amsterdam, Hollands bedeutendstes Theater, das in den über 100 Jahren
seines Bestehens 27 Millionen Besucher zählen konnte, wird zurzeit
generalüberholt. Victor de Waal,
Geschäftsführer der auf Gründungsarbeiten spezialisierten
niederländischen Firmen Walinco und Funderingstechniek, berichtet von
den Herausforderungen und Lösungen bei der Sanierung des ehrwürdigen
Gebäudes.
Das Carré-Theater ist eines der
beliebtesten Bühnenhäuser Amsterdams und gehört zu den bekanntesten
Wahrzeichen der Stadt. Als bei näherer Prüfung des Bauzustands in den
hölzernen Gründungspfählen Bakterienbefall festgestellt wurde,
beschloss man, sofort eine Sanierung zu beginnen.
Zuerst hatte de Waal, dessen Spezialgebiet die Fundamenttechnik ist, das Carré-Projekt nicht übernehmen wollen.
"Ich dachte, wir seien dazu nicht in der
Lage. Es handelte sich um ein umfangreiches und schwieriges Vorhaben
mit einem außer-ordentlich knappen Zeitplan."
"Man entschied sich dafür, die Fundamente
im Rahmen der Sanierung gleich ganz zu erneuern. Sonst müsste man
nämlich das Theater in 20 Jahren unter erheblichen Einnahmeausfällen
wieder schließen. Es empfahl sich also, die Schließung auf ein Minimum
zu beschränken und die in absehbarer Zeit ohnehin fällige Investition
nicht aufzuschieben."
Das auf Holzpfählen erbaute
Amsterdam ist von zweierlei Gefahren bedroht: Die eine ist das Absinken
des Wasserspiegels, denn wenn die Pfähle einmal trocken werden, können
sie im Laufe von nur wenigen Wochen vermodern.
Die zweite Gefahr geht von Fäulnisbakterien
aus. Über die Haltbarkeit von bakterienbefallenen Kiefernpfählen gehen
die Meinungen auseinander.
"Ich halte in diesem Fall jede Panik für unangebracht, denn diese Bakterien wirken ziemlich langsam."
Das Carré-Projekt ließ de
Waal keine Ruhe. Die mit der Fundamentgründung alter Gebäude
verbundenen Herausforderungen hatten ihn schon immer gereizt, und dass
es sich um ein wertvolles Baudenkmal handelte, machte die Sache umso
interessanter. Außerdem wohnt er gleich gegenüber am anderen Amstelufer
und wollte die Konkurrenzfirma nicht ständig vor der Nase haben.
Walinco und Funderingstechniek hatten die
Aufgabe, etwa 200 Stahlpfähle erschütterungsfrei in den Boden
einzubringen. Die Arbeiten mussten innerhalb von vier Wochen unter sehr
beengten räumlichen Bedingungen ausgeführt werden.
"Obwohl wir ja auf die Arbeit unter solchen
Bedingungen spezialisiert sind, mussten wir noch kleinere Maschinen als
sonst einsetzen, was natürlich auch die Leistung verringert und die
Arbeit verlangsamt", erklärt de Waal. "Wegen des festen Untergrunds
stand uns also eine anstrengende Plackerei bevor, die normalerweise
zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen würde."
Zufällig hat der Boden vor
dem Bürogebäude von Funderingstechniek die gleiche Beschaffenheit wie
unter dem Theater. So konnte das Unternehmen auf eigenem Boden
verschiedene Methoden und erproben miteinander vergleichen. De Waals
Team tüftelte so lange an den Maschi-neneinstellungen und den
Arbeitsverfahren herum, bis es die brauchbarste Methode heraus hatte.
Dann war Ruukki an der Reihe.
"Ruukki lieferte uns ein hochwertiges
System, bei dem die Stahlrohrpfähle durch mechanische Verbindung
verlängerbar waren", erklärt de Waal. Ruukkis RR-Ramm-pfähle und
RD-Injektionspfähle sind speziell auf Gründungsarbeiten zugeschnitten.
Injektionspfähle
sind längsnahtgeschweißte Stahlrohre, die durch mechanische
Verbindungen verlängerbar sind. Damit geht die Verbindungsarbeit rasch
vonstatten. Mit ihrem kleinen Durchmesser und ihrer praktischen
Verbindungstechnik bieten diese Pfähle vor allem bei
Fundamentierungsarbeiten auf kleinem Raum und bei Industriebauten große
Vorteile. Das Arbeitsgerät findet auf einer begrenzten Fläche Platz, so
dass das Einbringen der Pfähle die Nachbarschaft nicht nennenswert
stört. Nach dem Einsetzen wird in den Pfahl Betonmasse injiziert, die
durch die Löcher des Pfahls austritt und die Hohlräume im umgebenden
Erdreich ausfüllt. Wenn die Masse getrocknet ist, verteilt sie das vom
Pfahl zu tragende Gewicht auf das umgebende Erdreich und schützt ihn
zugleich vor Korrosion.
Stellenweise war es so eng, dass jedes
Pfahlsegment einzeln herangeschafft werden musste. Die Länge der von
Ruukki gelieferten Pfahlelemente variierte zwischen 2,4 und 4 Metern
bei einer Pfahllänge von rund 20 Metern. Insgesamt waren es 2,5
Kilometer Pfähle.
Ruukki war für Funderingstechniek ein guter
Kooperationspartner. Zuverlässigkeit ist für de Waal eine enorm
wichtige Sache. Wenn der Zeitplan knapp kalkuliert ist, kann ein
unzuverlässiger Lieferant ernste Verzögerungen verursachen.
"Wir arbeiten schon seit sechs Jahren mit
Ruukki zusammen. Die Lieferungen sind immer pünktlich, und das
Preis-Leistungs-Verhältnis ist ausgezeichnet. Viele andere Unternehmen
liefern nur die Stahlrohre und überlassen alles andere dem Kunden.
Ruukki ist der einzige Hersteller von Stahlrohrpfählen, der sich eigens
auf Gründungstechnik spezialisiert hat." |  | Vom Zirkus zum Mehrzwecktheater
Das Königliche Theater Carré war in einer
Reihe verschiedener Gebäude untergebracht, bis es schließlich 1879 am
Amstelufer einen festen Standort fand. Das Gebäude für diesen Tempel
der holländischen Populärkultur wurde 1887 von Oscar Carré, dem Spross
einer Familie von Zirkusartisten, erbaut.
Das Theater war ursprünglich aus Holz
konstruiert, besaß aber eine Fassade aus Stein. Der Hauptraum war 34 m
lang, 37 m breit und 26 m hoch. Die Sitze waren hufeisenförmig um die
runde Bühne angeordnet. Im Zuschauerraum hatten 2 000 Personen Platz.
Das Haus umfasste außerdem zwölf Umkleideräume, drei Foyers, ein
Restaurant, zwei Ställe und die Wohnung von Theaterdirektor Carré.
Bis zu seiner ersten umfassenderen
Renovierung im Jahre 1992 befand sich das Haus größtenteils in seinem
ursprünglichen Zustand. Durch den Umbau wurde der ehemalige große
Zirkus mit angeschlossenem kleinen Theater zu einem großen Theater mit
angeschlossenem Zirkus.
Im Laufe seiner 116-jährigen Geschichte ist
das Carré zu einem Theater herangewachsen, das ganzjährig ein Programm
mit internationaler Starbesetzung anbietet, von Komödien und Eisrevuen
bis hin zu Opern- und Ballettaufführungen. Schwerpunkt des Programms
sind Musicals und Stand-up-Komik.
Die Wiedereröffnung des sanierten Carré-Theaters findet am 15. November 2004 statt.

Renovierungs-spezialist für wertvolle Objekte
Victor de Waal ist
Geschäftsführer der niederländischen Unternehmen Walinco und
Funderingstechniek. Die beiden Firmen vereinigten ihre Ressourcen, um
die Gründungsarbeiten am Theater Carré termingerecht abschließen zu
können.
Funderingstechniek ist auf die Einbringung
von Injektionspfählen spezialisiert, Walinco auf Stahlrohrgründungen
und Fundamentrenovierungen. Die beiden Unternehmen beschäftigen
insgesamt 35 Mitarbeiter.
Etwa die Hälfte der Aufträge betrifft
wertvolle Objekte wie zum Beispiel das älteste Haus Amsterdams oder den
Amtssitz des niederländischen Ministerpräsidenten in Den Haag.
Die Zusammenarbeit von Funderingstechniek
und Ruukki geht Ende des Jahres weiter, wenn die Fundamentsanierung der
Amsterdamer Universitätsbibliothek in Angriff genommen wird. |